793 Sprüche — Seite 31
Wo Einfluss wächst, zeigt sich oft schneller als irgendwo sonst, wer ein Mensch wirklich ist. Macht kann ordnen, schützen und gestalten, sie kann aber ebenso verführen, verhärten und den Blick für Verantwortung verstellen. Gerade darum ist sie eines der aufschlussreichsten Themen für moralische und politische Betrachtung.
Entlarvend wird sie vor allem dort, wo sie nicht mehr als Dienst, sondern als Besitz missverstanden wird. Die Sprüche zu diesem Thema untersuchen das Verhältnis von Stärke und Maß, Herrschaft und Pflicht und erinnern daran, dass wahre Größe sich im Umgang mit Macht bewährt, nicht im bloßen Besitz von ihr.
Ein Hahn zwingt zwölf Hennen, ein Weib halb so viel Männer.
Näschige Katze macht achtsame Mägde.
Eine Krähe macht keinen Winter.
Liebe macht Gegenliebe.
Die Liebe ist blind und macht blind.
Eine Hochzeit macht die andre.
Wer über einen Maulesel gesetzt ist, hält sich auch für einen Herrn.
Wer mit jungen Ochsen pflügt, macht krumme Furchen.
Es ist nicht not, dass man die Schafe frage, die Wolle gilt!
Eine Schwalbe macht keinen Sommer.
Kleinvieh macht auch Mist.
Nach und nach macht der Vogel sein Nest.
Wer von einer Hure scheidet, macht eine gute Tagreise.
Jagen und nicht fangen macht verdrossene Jäger.
Woran man einmal herzhaft glaubt, dem macht man sich auch so oder anders dienstbar
— Adolph Kolping
Die menschliche Hand bedeutet menschliche Macht: Mit dem durchgeistigten Handeln der Hand ist der Mensch der Natur gegenüber gefährlich geworden.
— Oswald Spengler
Die fruchtbringende Liebe verschönt, wenn sie begonnen. Das ist der Same, den sie hat und kraft dessen sie nie vergehen wird.
— Gottfried von Strassburg
Das Genie macht die Fußstapfen, und das nachfolgende Talent tritt in dieselben hinein, tritt sie aber schief.
— Wilhelm Raabe
Im kleinsten der Schöpfung zeigt sich des Schöpfers Macht und Huld am größten.
— Johann Gottfried Herder
Je größer die Schwierigkeit, die man überwand, desto größer der Sieg.
— Marcus Tullius Cicero