1598 Sprüche — Seite 124
Zwischen Geburt und Abschied entfaltet sich das Leben als ein Weg voller Aufbruch, Umwege, Verluste und kostbarer Augenblicke. Kaum etwas beschäftigt den Menschen so sehr, weil in ihm alles zusammenkommt, was trägt, verwundet, reifen lässt und Erinnerung schafft. Gerade darin liegt seine unerschöpfliche Tiefe.
Nicht im Spektakulären allein, sondern oft im gelebten Alltag zeigt sich, was ein Dasein wertvoll macht. Die Sprüche zu diesem Thema verdichten Erfahrungen, Fragen und Einsichten zu einer Sprache, die Orientierung gibt und zugleich daran erinnert, wie flüchtig, ernst und wunderbar menschliches Leben sein kann.
Sei, was du scheinst, und scheine, was du bist.
Der Krähe Anteil ist das, was sie aufpickt
Tadel ist sicherer als Lob.
Irrtum ist immer in Eile.
Aus dem Künstler kann nichts kommen, was nicht schon im Manne steckt
Wenn Große Häuser einstürzen, gibt es viel Staub.
Erfahrung ist ein Anzug, der mit den Jahren immer besser passt.
Von Fröschen darf man keine Choräle erwarten.
Der Anker des Herzens findet tieferen Grund als der des Kopfes
Aus Vertraulichkeit entsteht Verachtung
Ausruhen und Erfolg sind Kameraden
Aussicht ist oft besser als Besitz.
Ein ruhiges Gewissen schläft im Donner
Whisky ist schlecht für den Menschen, besonders schlechter Whisky
In unserm Innern ist viel Land, für das es keine Karte gibt.
Die am meisten befehlen, haben das geringste Vergnügen.
Mache keinen Brauch und brich keinen Brauch.
Das gelobte Land ist das Land, wo man nicht ist
Die Mühle kann nicht mit dem Wasser mahlen, das vorübergeflossen ist.
Der Mann ist April, wenn er verliebt, und Dezember, wenn er verheiratet ist