1598 Sprüche — Seite 131
Zwischen Geburt und Abschied entfaltet sich das Leben als ein Weg voller Aufbruch, Umwege, Verluste und kostbarer Augenblicke. Kaum etwas beschäftigt den Menschen so sehr, weil in ihm alles zusammenkommt, was trägt, verwundet, reifen lässt und Erinnerung schafft. Gerade darin liegt seine unerschöpfliche Tiefe.
Nicht im Spektakulären allein, sondern oft im gelebten Alltag zeigt sich, was ein Dasein wertvoll macht. Die Sprüche zu diesem Thema verdichten Erfahrungen, Fragen und Einsichten zu einer Sprache, die Orientierung gibt und zugleich daran erinnert, wie flüchtig, ernst und wunderbar menschliches Leben sein kann.
Ein Schwein mit goldenem Halsband bleibt immer noch ein Schwein.
Es ist leichter neben einem hunrigen Tiger zu leben, als neben einer enttäuschten Frau.
Die Liebe ist kein Schadenfeuer; aber ist sie entbrannt, kann man sie nicht mehr löschen.
Wenn sich im Paradies eine Menschenseele und eine Hundeseele begegnen muss sich die Menschenseele vor der Hundeseele verneigen.
Des Mannes Sünde bleibt auf der Schwelle, die der Frau kommt ins Haus hinein.
Gnade ist die Stütze der Gerechtigkeit.
Wenn dein Weib dir schmeichelt, hat sie was Übles im Sinn.
Halte Freundschaft mit dem Bären! Aber halte auch immer die Axt bereit!
Was mit der Milch eingezogen wurde, geht erst mit der Seele wieder hinaus.
Ohne den Hirten wird aus Schafen nie eine Herde.
Es sind immer die Fetttöpfe, um die sich die Fliegen versammeln; sahst du sie jemals auf den Essig fliegen?
Wer die Wärme liebt, muss den Rauch dulden.
Auch ausgetrocknet ist das Meer noch lange kein Bruder der Pfütze.
Der Tod ist ein Riese, vor dem auch der Zar die Waffen strecken muss.
Mit einem dummen Kopf haben auch die Beine keine Ruhe.
Nimm ohne dich zu erinnern; gib ohne zu vergessen.
Mit der Stirn kann man eine Wand nicht durchstoßen
Bei sieben Ammen bleibt das Kind ohne Aufsicht.
Wenn die Weiber aus Glas wären, sie wären doch undurchsichtig.
Eine Isba wird nicht wegen ihrer Ecken schön, sondern dank ihrer Piroggen.