1598 Sprüche — Seite 130
Zwischen Geburt und Abschied entfaltet sich das Leben als ein Weg voller Aufbruch, Umwege, Verluste und kostbarer Augenblicke. Kaum etwas beschäftigt den Menschen so sehr, weil in ihm alles zusammenkommt, was trägt, verwundet, reifen lässt und Erinnerung schafft. Gerade darin liegt seine unerschöpfliche Tiefe.
Nicht im Spektakulären allein, sondern oft im gelebten Alltag zeigt sich, was ein Dasein wertvoll macht. Die Sprüche zu diesem Thema verdichten Erfahrungen, Fragen und Einsichten zu einer Sprache, die Orientierung gibt und zugleich daran erinnert, wie flüchtig, ernst und wunderbar menschliches Leben sein kann.
Wüßten die Menschen, was die Zukunft bringt, sie würden doch alle handeln, als wüßten sie es nicht.
Mach dem Spiegel keine Vorwürfe.
Wenn die Herren sich schlagen, krachen den Knechten die Köpfe.
— Perikles
Wenn des Zaren Schwanz schwillt, so brennt jede Lippe, ihn aufzunehmen.
Eine harte Hand züchtet dürre Pflanzen.
Sperlinge werden nie verstehen, warum Adler höher fliegen als Kirschbäume wachsen.
Wer nass ist, fürchtet keinen Regen
Der glückliche Mann verliert seine Frau, der unglückliche sein Pferd
Der Schlüssel ist stärker als das Schloss
Kein Scherz ist besser als der über sich selbst
Krankenbetten machen Anbeter Gottes.
Einen Edelstein betrachte in seiner Fassung, einen Menschen in seiner Wohnung.
Iss dich halbsatt, trink dich halbtrunken, dann lebst du ganz
Köche sterben niemals Hungers
Lass mich in Deinen Suppentopf gucken und ich sage Dir, wer Du bist!
Trinken ohne Trinkspruch ist Trinksucht
Auch der Adler fliegt nicht höher als die Sonne.
Selbst eine gute Ehe ist Bußzeit.
Nicht der Mütze wegen ist dir ein Kopf gegeben.
Wozu sich weich betten, wenn man allein schlafen muss.