1598 Sprüche — Seite 139
Zwischen Geburt und Abschied entfaltet sich das Leben als ein Weg voller Aufbruch, Umwege, Verluste und kostbarer Augenblicke. Kaum etwas beschäftigt den Menschen so sehr, weil in ihm alles zusammenkommt, was trägt, verwundet, reifen lässt und Erinnerung schafft. Gerade darin liegt seine unerschöpfliche Tiefe.
Nicht im Spektakulären allein, sondern oft im gelebten Alltag zeigt sich, was ein Dasein wertvoll macht. Die Sprüche zu diesem Thema verdichten Erfahrungen, Fragen und Einsichten zu einer Sprache, die Orientierung gibt und zugleich daran erinnert, wie flüchtig, ernst und wunderbar menschliches Leben sein kann.
Wer der Masse nachläuft, verspürt ihren Atem bald im Nacken
— Henry de Montherlant
Es ist nicht die einfache Kreatur, die der Hilfe bedarf, sondern das Genie.
— Eleonora Duse
Die Menschen sollen Menschen bilden, in dem sie sie als Menschen behandeln.
— Emile Zola
Wie gut wäre es, wenn man die Stimmen, anstatt sie zu zählen, wägen könnte.
— Georg Christoph Lichtenberg
Menschen sind schwimmende Töpfe, die sich aneinander stoßen.
— Johann Peter Eckermann
Niemand ist eine Insel, jeder ist Teil des menschlichen Kontinents.
— John Donne
Von zwei Narren hält der größere den kleineren für den größeren
— Emil Gött
Die Unverdorbenen kommen leicht in der Ruf, unverbesserlich zu sein.
— Daniel Spitzer
Es ist nicht schlimm, wenn man missverstanden wird, schlimmer ist es, wenn man verstanden wird.
— Donatien A. F. Marquis de Sade
Achtung ist größer aus der Entfernung.
— Tacitus
Gewalt fällt wahrhaftig auf den Gewalttätigen zurück, und der Ränkeschmied fällt in die Grube, die er andern gräbt.
— Sir Arthur Conan Doyle
Kann uns etwas nicht schaden, dürfen wir ruhig die verlachen, die uns davor bewahren wollen.
— Marquis de Vauvenargues
Nichts reichen wir einander so freigebig wie unsere Hände – aber leer.
— Emanuel Wertheimer
Die Schmeichelei ist wie Kölnischwasser: Zum Riechen, nicht zum Schlucken.
— Joseph Billings
Sonderbar, dass jeder seine Mitmenschen immer nur nach sich selbst beurteilt!
— Giacomo Leopardi
Im Alter ist Unabhängigkeit eine Form der Sklaverei.
— Giacomo Casanova
Gerechtigkeit ist eine Maschine, die sich von selbst bewegt, sobald man sie einmal angestoßen hat.
— John Galsworthy
Der Langweiler ist ein Mensch, der, wenn du dich nach seinem Befinden erkundigt, es dir erklärt.
— Channing Pollock
Was alle trifft, erträgt man leicht
— Karl Wilhelm Ramler
Staunen ist unfreiwilliges Lob.
— Edward Young